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Kirchenburgen aus dem Haferland und Repser Ländchen von oben und innen

16. Mai 2019

Band 7 der Reihe „Über Siebenbürgen“ aus dem Schiller Verlag bezieht deutlich mehr Innenbilder ein

Von Jürgen Henkel

Von den Fans ungeduldig erwartet, ist nun der siebte Band der Buchreihe „Über Siebenbürgen“ aus dem Schiller Verlag mit Luftbildern aller Kirchenburgen Siebenbürgens erschienen. Im neuen Bildband zum Haferland und Repser Ländchen sind die Kirchenburgen zwischen Schaas/Şaeş und Draas/Drăuşeni, Keisd/Saschiz und Galt/Ungra vertreten. Mit Deutsch-Weißkirch/Viscri zählt ein echter Publikumsmagnet dazu. Aber auch Kirchenburgen in schwer erreichbaren Seitentälern wie etwa Meeburg/Beia und verfallende wie fast vergessene Anlagen wie in Streitfort/Mercheşa sind dabei.

Insgesamt werden dieses Mal auf 104 Seiten 19 Anlagen fotografisch dokumentiert und in konzentrierten Begleittexten vorgestellt. Außer den schon genannten umfasst der Bildband Denndorf/Daia, Arkeden/Archita, Klosdorf/Cloaşterf, Deutsch-Kreuz/Criţ, Meschendorf/Meşendorf, Bodendorf/Buneşti, Schweischer/Fişer, Radeln/Roadeş, Stein/Dacia, Reps/Rupea, Hamruden/Homorod und Katzendorf/Caţa.

Auffällig ist zunächst, dass deutlich mehr Innenbilder einbezogen sind als in den vorherigen Bänden. Auch wenn die Buchreihe in erster Linie auf die eindrucksvollen Luftbilder von Ovidiu Sopa setzt, so sind doch die höchst atmosphärischen Innenfotos von Anselm Roth eine zusätzliche Bereicherung. Die Kirchenburgen werden dadurch nicht nur als ortsbildprägende Bauten und Kunstdenkmäler sichtbar, sondern bleiben auch als Stätten des Gemeindelebens und der Gottesdienste wahrnehmbar.

Gut erhaltene Anlagen wie in Arkeden (S. 17-23) mit seinem besonders schönen Altar oder Bodendorf (S. 46-54) mit dem gewaltigen Innenraum (großformatige Bilder S. 50/51 und 52/53) zeigen die unvergängliche Würde dieser Gotteshäuser und sind immer auch ein aussagekräftiges Zeugnis für die große Geschichte der heute kleinen Evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen und in all diesen Orten – zugleich ein Mahnmal gegen das Vergessen.

Dass nicht alle Anlagen so gut erhalten werden (können) wie Deutsch-Weißkirch oder Arkeden, zeigen die Bilder des Verfalls aus Galt (S. 76-81) oder Streitfort (S. 88-91). Immer noch dominieren freilich auch solche Kirchenburgen das Ortsbild. Imponierende Innenräume sind zu sehen, die eine anrührende Ästhetik der Erhabenheit vermitteln, zum Beispiel aus Arkeden (S.18), Keisd (S. 26/27), Hamruden (S. 87), Katzendorf (S. 95) und Meeburg (S. 96 und 98). Bei diesem Band sind die Innenbilder manchmal ausdrucksstärker als die Luftbilder.

Bei den Innenräumen wird neben faszinierenden Impressionen auch schonungslos mancher Verfall dokumentiert, etwa in Draas (S. 102-103) oder Streitfort (S. 90 f.). Ob ein Kirchenschiff als immer noch gottesdienstlicher Raum unbedingt als Lager für Holzlatten Verwendung finden sollte wie in Denndorf, sei dabei durchaus hinterfragt (S. 11/12). Die entsprechenden Bilder mit morbidem Charme von Anselm Roth zeigen symbolisch frühere Größe und heutige Lage gleichermaßen. Bei der Burg von Reps (S. 72-75) geht der Band auch auf die kritische Diskussion über die jüngste Restaurierung ein.

Die Bilder sind durchgehend von hoher Qualität, auch im Druck. Im Einzelfall sind (wohl am frühen Abend aufgenommene) Bilder in der Farbdurchdringung etwas blass oder auch sehr rot-, braun- oder sonnenstichig (etwa bei Streitfort, Katzendorf oder Draas). Dem stehen natürlich in großer Mehrheit wieder sagenhafte Luftaufnahmen gegenüber, die von der früheren Wehrhaftigkeit der Kirchenburgen und ihrer glanzvollen Historie bis zu manch heutiger Anmut der Verlassenheit ganz unterschiedliche Eindrücke wiedergeben. Farblich einzigartig gelungen ist das Außenfoto aus Meeburg (S. 99). Der Betrachter riecht förmlich den blauen Himmel und das frische grüne Gras. Schöpfung und Gotteslob wachsen hier in einer so abgelegenen Kirchenburg zu einer Symbiose zusammen.

Es ist zweifellos ein Band geworden, der das bisherige Niveau der Reihe beibehält und im Blick auf die Innenfotografien sogar noch steigert. Auch die Begleittexte von Anselm Roth sind wieder kurz und bündig, informativ, gut lesbar und manchmal mit einer Prise Humor verfasst. Positiv ist, dass fast überall Kontaktdaten von Personen angegeben sind, über die die Kirchenburgen besichtigt werden können. Bei den entsprechenden Verweisen an den Kirchenbezirk Kronstadt ist dabei stets fälschlicherweise vom „Landeskonsistorium Kronstadt“ die Rede. Hierbei handelt es sich aber um das Bezirkskonsistorium (S. 71 u. ö.).

Kritisch anzumerken gibt es recht wenig. So könnte sich der geneigte Leser vielleicht fragen, wie das Titelbild zu seiner Ehre kam. Es gibt im Innenteil schönere (und weniger rotstichige) Aufnahmen zu bewundern, etwa von Keisd, Schaas, Arkeden oder Meschendorf. Unglücklich gewählt ist auch das etwas gruselige Magenta als Farbe der Schrift auf dem Buchumschlag. Diese Schriftfarbe auf hellbraunem Grund schmerzt im Auge und ist vor allem auf der Rückseite des Umschlags kaum lesbar.
Insgesamt aber haben Anselm Roth, Ovidiu Sopa und der Schiller Verlag wieder einen tollen Band mit wunderschönen Bildern aus der Welt der siebenbürgischen Kirchenburgen vorgelegt, aufgrund der betörenden wie faszinierenden Innenaufnahmen wohl einen der bisher interessantesten Bände. Man darf auf den Abschlussband gespannt sein.

Anselm Roth (Fotografien und Text)/Ovidiu Sopa (Luftfotografien): Über Siebenbürgen. Band 7: Kirchenburgen im Haferland und Repser Ländchen, Schiller Verlag: Bonn 2019, 104 S., ISBN 978-3-946954-48-4, Lei 99 / € 24,00

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