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Rumäniendeutsche?

Rumäniendeutsche? von Annemarie Weber
Diskurse zur Gruppenidentität einer Minderheit (1944-1971)

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Kategorie: Bücher
Seiten / Format: 342 S.; gebunden
Erscheinungsjahr: 04.2010
Verlag: Böhlau Köln
Sprache: Deutsch
ISBN: 9783412205386
Auflage / Bände: 1.

Die Entwicklung des kollektiven Selbstbildes der Deutschen in Rumänien während der Nachkriegsjahrzehnte wird in diesem Buch anhand der deutschsprachigen Presse Rumäniens nachgezeichnet: vom siebenbürgisch-sächsischen und banatschwäbischen »Volk« zu den ideologisch postulierten »deutschen Werktätigen« und schließlich zum Identitätsmuster der »Rumäniendeutschen«.

Aufgeräumt wird dabei mit Vorurteilen und ungenauen Zuschreibungen, die sich in der Geschichts- und Literaturgeschichtsschreibung hartnäckig gehalten haben.

In ihrem Buch verbindet die Autorin eigene Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit in den deutschsprachigen Medien Rumäniens mit kritischer Textanalyse und einer pointierten Schreibweise.

Die Deutschen Rumäniens werden aus der Perspektive der Bundesrepublik Deutschland gern als „deutschstämmige" bzw. deutschsprachige rumänische Staatsbürger oder gar als „Deutsch-Rumänen" bezeichnet, während sie in Rumänien unangefochten als germani gelten und in einem staatlich anerkannten „Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien" (DFDR) politisch organisiert sind. In Rumänien ist „deutsch" ein ethnisches und Kulturmerkmal geblieben, das die Staatenbildung der Nachkriegszeit und die damit verbundene politische Fixierung des Merkmals „deutsch" auf eine bestimmte Staatsangehörigkeit hartnäckig ignoriert hat. Alfred Margul-Sperber bezeichnete in den 1950er Jahren seinen Dichterfreund Alfred Kittner im Zusammenhang mit dessen Deportation nach Transnistrien mit Nachdruck als „deutscher Dichter aus der Bukowina", auch wenn er – wie Sperber selbst – Jude und rumänischer Staatsbürger, also nach heutigem Verständnis eher ein deutschsprachiger Dichter war.

Die Autorin widmet sich in ihrem Buch den besonderen „deutschen" Identitätskonstruktionen in Rumänien zwischen 1944 und 1971. Als Quelle nutzt sie die deutschen Zeitungen und Zeitschriften, die in dieser Zeit in Rumänien erschienen sind; sie hat insbesondere die Bukarester Tageszeitung Neuer Weg systematisch von 1949 bis 1971 analysiert. Das materialreiche Buch ist das Ergebnis einer mehrjährigen Forschungsarbeit, die Annemarie Weber 2009 mit der Promotion abgeschlossen hat. Es erschließt sich dank seiner präzisen Sprache, einer übersichtlichen Gliederung und vor allem eines Namen- sowie Ortsnamenregisters auch interessierten Nichtwissenschaftlern.

Annemarie Weber war lange Zeit Journalistin bei deutschen Printmedien in Rumänien und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Siebenbürgen-Institut der Universität Heidelberg in Gundelsheim.

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