skip to content

< voriger Artikel   nächster Artikel >

Geschichte vum Tschiripik uch ånder lastich Zegunemeeren sengem Änkelche Christian erzåhlt von Adolf Schullerus

Geschichte vum Tschiripik uch ånder lastich Zegunemeeren sengem Änkelche Christian erzåhlt von Adolf Schullerus von Adolf Schullerus, Wilfried Bielz, Josef Haltrich
Humorvolle Zigeunergeschichten in dritter Auflage auch ins Hochdeutsche übersetzt und ausführlich kommentiert von Wilfried Bielz

Preis pro Stück:
Lei 60 / € 13,00
Inkl. Mwst.: 5% (Lei) / 7% (EUR)
zzgl. Versandkosten

bestellbar

Kategorie: Bücher
Seiten / Format: 196 S.; gebundene Ausgabe
Erscheinungsjahr: 2022
Verlag: Eigenverlag Bensberg
Sprache: Deutsch
ISBN: 377760
Auflage / Bände: 3.

Tschiripik ist ein schlauer und umtriebiger Zigeuner, der im Mittelpunkt vieler Erlebnisse des siebenbürgischen Dorfalltags steht und der vor allem bei Kindern beliebt war durch seinen Witz und seine Art und Weise, sich in mehr oder weniger schwierigen Situationen durchzuschlagen. Der Theologe Adolf Schullerus hat seinem Enkelkind abends lustige Geschichten von Tschiripik in der Mundart erzählt, die ein halbes Jahrhundert früher vom Märchensammler Josef Haltrich hochdeutsch in Umlauf gebracht worden waren. Das Buch von Schullerus erschien 1928 in Hermannstadt und erfreute sich bald großer Beliebtheit. Eine zweite, unveränderte Auflage ist den Enkelkindern des Verfassers, Gerhard und Andreas Möckel, zu verdanken. Sie erschien 1953 in München im Verlag Hans Meschendörfer. Im Vorwort dieser Auflage stellen die Brüder Möckel folgende Frage: „Ob wohl jeder Leser wahrnimmt, wie diese Geschichten frei sind von Dünkel und Spott, wie das wirklich eigenartige Geschlecht der Zigeuner hier mit versöhnlichem goldenen Humor geschildert ist?" Damit wird eine Diskriminierung der Zigeuner in Siebenbürgen ausgeschlossen.

Die Frage ist berechtigt, denn mit den Roma oder »Zigeunern«, wie sie im Volksmund genannt werden, sind viele Vorurteile in Verbindung gebracht worden. Auch in den Geschichten vom Tschiripik erscheinen die Zigeuner manchmal als schmutzig, faul und einfältig, frech und falsch, denn kleine Lügen und Diebstähle sind bei ihnen keine Seltenheit. Dem Leser wird schnell bewusst, dass der Sachse der Herr und der Zigeuner der Diener ist. Diese Rollen sind festgelegt, gelten als selbstverständlich und werden nicht weiter in Frage gestellt. Aber diese doch eher als herablassend wirkende Art wie in den Kurzgeschichten mit den Zigeunern umgegangen wird und über sie erzählt wird, schlägt nie in Verachtung oder Hohn über. Die Zigeuner werden einem sympathisch, man amüsiert sich und nimmt sie so an, wie man meint, dass sie nun einmal sind. Stellenweise leuchten ihre Lebenserfahrung und -freude im Text auf.

In Zeiten, in denen die Benachteiligung diverser Minderheiten nicht mehr akzeptiert wird, kann die Neuauflage eines so alten Textes nicht kommentarlos erfolgen.

Nachdem 2017 Tschiripiks Geschichten, dank dem Klausenburger Verlag »Argonaut«, auch in rumänischer Sprache gelesen werden können (»Snoave tiganesti din Ardeal«) gibt es nun die wahrscheinlich beste hochdeutsche Variante dieser in siebenbürgisch-sächsischer Mundart erzählten Geschichten. Der Originaltext und die Übersetzung werden in diesem Band gegenübergestellt. Diese Übersetzung ist Wilfried Bielz zu verdanken, der in diesem Jahr im Eigenverlag Bensberg die dritte Auflage der »Geschichte vum Tschiripik« herausbrachte. Die ursprüngliche Buchillustration durch Holzschnitte von Trude Schullerus wird durch zwei Holzschnitte des Kronstädter Malers Helfried Weiß ergänzt; die Geschichten erscheinen in einer leicht gekürzten Fassung und werden mit vier Erzählungen von Josef Haltrich aus dessen Zigeunerfolklore-Sammlung ergänzt. Außer dem bereits erwähnten Vorwort der Herausgeber der zweiten Auflage enthält der Band ein Vorwort sowie ein ausführliches Nachwort mit Betrachtungen über Leben und Schicksal der Roma, beide von Bielz verfasst.

Dieses begründet, warum diese Bevölkerungsgruppe verschiedene Bezeichnungen erhalten hat, wobei »Zigeuner« nicht von allen Angehörigen dieser Minderheit als Schimpfwort empfunden wird.

Ein kurzer geschichtlicher Überblick weist auf die Tragödie dieser Ethnie hin, der unter den Nazis in Deutschland und unter dem Antonescu-Regime in Rumänien so viel Leid zugefügt wurde, wobei immer von »Zigeunern« die Rede war. Soziale Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma sind weiterhin Themen, denen sich Politiker und die Gesellschaft insgesamt auch in Rumänien stellen müssen.

Persönliche Begegnungen von Wilfried Bielz (geboren 1933 in Hermannstadt) mit Roma und Berichte seiner Freunde aus Siebenbürgen beweisen, dass die genannten Vorurteile nicht zutreffen. Das gilt nicht nur für bekannte Musiker, Soziologen oder die Roma-Literatin Luminita Mihai Cioaba. Gewürdigt werden auch zwei bekannte Volkskundler, die sich in ihrer Zeit mit dem Leben und der Volkskunst dieser Ethnie beschäftigt haben: der Schäßburger Josef Haltrich und der Kronstädter Heinrich von Wlislocki.

Die deutsche Übersetzung der Geschichten vom Tschiripik ermöglicht einem breiteren Leserkreis, wie Siebenbürger Sachsen, die nicht mehr die Mundart ihrer Vorfahren beherrschen, aber auch neuen Lesern aus dem deutschsprachigen Raum den Zugang zu einer verschwundenen, exotisch anmutenden Welt – jene der Roma in Siebenbürgen.

Im Vorwort nennt Bielz abschließend, was für ihn, jenseits von offiziellen oder herkömmlichen Bezeichnungen, von Bedeutung ist: »Diese leicht gekürzte Neuauflage möchte unseren Tschiripik noch eine Zeitlang am Leben erhalten, unabhängig davon, wie man seine Ethnie nennt. Es kommt ja hauptsächlich darauf an, ob man sich überzeugend für interethnischen Respekt einsetzt.« Die Tatsache, dass es zur Zeit der Nürnberger Rassengesetze in Siebenbürgen keine öffentliche Diskriminierung oder gar Pogrome gegeben hat, gereicht den Siebenbürgern zur Ehre.

Der Herausgeber dieser Neuauflage wirktevon 1958 bis zu seiner Auswanderung 1974 als Deutschlehrer in Kronstadt am Honteruslyzeum.

Ralf Sudrigian

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: